Die Freiheitliche Jugend

Michael Demanega: 15 Jahre "Südtirol zuerst!"
Freitag, 07. Dezember 2007 um 00:00 Uhr

6_michael-demanega_fp_63Werte Parteifreunde, liebe Gäste!

Es ist mir eine überaus große Ehre, heute, an diesem historischen Datum, einen Blick in unsere Zukunft werfen zu dürfen: eine Jubiläumsfeier ist immer ein Rückblick, doch ein jeder Rückblick ist nur so viel wert, wie die Einsichten und Schlüsse, die daraus gezogen werden können. Genauso ist jeder Ausblick ein Irrweg in den Treibsand, wenn er sich nicht auf die festen Fundamente der Vergangenheit stützt, die erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen. Rückblick und Ausblick sind also nicht unabhängig voneinander denkbar, ja ergänzen und bedingen sich gegenseitig. Dazwischen nimmt die Gegenwart die Vermittlerrolle ein.

Wenn ich heute hier als Jugendvertreter der Freiheitlichen meine Vision von Zukunft darlege, dann ist das auch ein Zeichen für die große Wertschätzung, welche die Jugend in unserer freiheitlichen Familie genießt. Jugend ist für die Freiheitlichen mehr als nur Wählerpotential; Jugend ist wichtiger Bestandteil eines Ganzen, dem die wichtige Aufgabe zukommt, die Zukunft der künftigen Generationen zu gestalten.

Es war deshalb auch nahe liegend, dass man vor über einem Jahr auf Betreiben unserer Generalsekretärin danach trachtete, der Jugend eine Plattform zu schaffen, auf welcher sie sich innerhalb der freiheitlichen Gemeinschaft frei entfalten kann. Die Grundsteine wurden Anfang des heurigen Jahres gesetzt: im Mittelpunkt der neu gegründeten Freiheitlichen Jugend stand damals wie heute unsere Zukunft. Also weniger tagespolitische Themen, weniger Themen, die die Jugend heute betreffen und dafür verstärkt Themen zur Zukunft unserer heutigen Jugend, den Erwachsenen von morgen. Wenn auch viele Erwachsene der Meinung sind, dass Jugendpolitik in erster Linie bei der Jugend beginnen und enden sollte, so sieht das die Jugend selbst doch differenzierter und stellt sich in ihren jungen Jahren vor allem jene Fragen, die die Zukunft, die eigenen Chancen betreffen. Und auf diesem Weg in die Zukunft wollten wir die Jugend im Sinne einer lebenswerten Zukunft auch begleiten.

Die Frage, wie denn unsere Zukunft nun ausschauen sollte, will ich hier und jetzt beantworten.

Vielfach hat man heute das Gefühl, die Zeiten der großen Veränderungen seien längst vorüber. Wir hätten heute Rechte, Wohlstand, Glück, heißt es. In dieser Idylle der Zufriedenheit verweilen viele Zeitgenossen, solange die Dinge in Ordnung sind. Wenn wir bedroht sind, wird per Alarmruf Hilfe herbeigezaubert. Die große Gefahr liegt aber darin, dass der Mensch sich zu sehr auf diese Hilfe verlässt und hilflos wird, wo diese Hilfe ausbleibt. Aus den Wolken gerissen wird er, wenn die großen Katastrophen drohen, die ja von Zeit zu Zeit von Medien in Umlauf geraten und plötzlich wieder verschwinden, wenn das Interesse des besorgten Bürgers nachlässt. Oder verschwinden, wenn die Politik wie von Zauberhand Maßnahmen ergreift und uns vor den großen Gefahren bewahrt. Politik sei Dank. Der Bürger dankt und fällt der Politik blind in die Arme.
Überhaupt ist der Einzelne nichts ohne die Politik, die Familie nichts ohne die Politik, die Wirtschaft nichts ohne die Politik. So will man es uns weismachen, während man Maßnahmen erdenkt, um den Bürger vor den großen Gefahren der Zeit zu retten.

Nun, was hat das alles mit Südtirol zu tun? Eigentlich wenig und doch viel. Es gibt wohl heute nirgends in Europa ein Land, in dem die Politik so viel Macht besitzt, wie in Südtirol. In dem die Politik folglich so einschneidend in den Alltag der Bürger eingreift, wie in Südtirol. Wir können also feststellen: die großen Probleme unserer heutigen Zeit werden nicht von der Politik gelöst, sondern vielfach von der Politik erschaffen. Das ist bei den horrenden Mietpreisen in Südtirol so, in Sachen Zuwanderung nicht anders und genauso wo es um unsere Identität im fremden Staat geht: die Politik hat ihre Finger im Spiel:

Die hohe Politik gibt heute den Südtirolerinnen und Südtirolern das Gefühl, in absoluter Sicherheit zu leben. Sie hätten Rechte, Wohlstand, Glück, heißt es. Um ihre Zukunft bräuchten sie sich überhaupt keine Sorgen zu machen. Autonomie sei Dank und Politik sei Dank. In dieser Idylle der Zufriedenheit verweilen viele Südtiroler, solange alles in Ordnung ist. Und wenn nicht, dann ist natürlich Hilfe da. Hofft man. Aber was, wenn nicht? Die Politik reagiert zwar, handelt aber nicht. Eingelenkt wird erst, wenn Probleme nicht mehr zu verschweigen und wegzureden sind. Probleme, die durch Eigenverschulden der Politik zu Stande gekommen sind. Das weiß heute der „einfache“ Bürger, der die Kosten der so genannten „Weltoffenheit“ zu tragen hat, der die Probleme der Zuwanderung am eigenen Leibe spürt. Die hohe Politik interessiert das wenig, sie diktiert weiterhin die viel zitierte „Offenheit“ und „Toleranz“.

Der Bürger ist auf sich selbst gestellt und darf die Fehler der Politik ausbaden. Autonomie sei Dank. Politik sei Dank.

Wenn ich also von Zukunft spreche, dann von einer solchen Zukunft, in welcher sich die Macht der Politik aufs Wesentliche beschränkt. In welcher die Politik vordergründig ihrer ureigensten Funktion nachkommt: dem Schutz des Bürgers und seines Eigentums, anstatt alles zu unternehmen, um den Bürger und sein Eigentum in Frage zu stellen. Man hat heute den Zweck der Politik einfach in sein Gegenteil umgedeutet und ist auch noch stolz darauf, von den großartigen Leistungen der Politik zu sprechen, während man die Bürger ihres Eigentums und ihrer Freiheit beraubt.

Diese Zukunft, die ich meine, führt fort von einer Landespolitik, die überall ihre Finger im Spiel hat, die ihre Bürger auspresst, um sich dann großartig feiern zu lassen, wenn sie des Bürgers Geld wieder verteilt oder nach Belieben umverteilt.

Die Zukunft führt hin zu einer Politik, die sich nicht als Selbstzweck versteht, sondern den Schutz des Bürgers, seines Lebensraumes, seiner Identität, Familie, der Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt und so wenig wie möglich eingreift.

Der mündige Bürger muss im Mittelpunkt dieser Zukunft stehen und über die Freiheit verfügen, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Der Bürger also, der nicht den falschen Hoffnungen erliegt, den Schönfärbereien und Beschwichtigungen einerseits, den Kassandrarufen andererseits.

Jener Bürger muss in der Zukunft stehen, der Herrschaft nicht anbetet, sondern nach ihrer Nützlichkeit fragt. Der begreift, dass Politik nicht allmächtig und der Einzelne nicht ohnmächtig ist. Jener Bürger, der nicht den Ideologien des „neuen Menschen“ verfällt, den „großartigsten“ Fortschritts- und Modernisierungstheorien unserer Zeit, die allesamt an der Realität scheitern.

Der mündige Bürger ist nur innerhalb einer freien Gesellschaft zu denken. In welcher gegenseitig natürliche Solidarität gelebt wird, Verantwortungsbewusstsein und Werte. In welcher die Politik zwar Schutz garantiert, aber alle Maßnahmen unterlässt, welche Individuum und Kollektiv in ihrer Freiheit berauben. Das ist gleichzeitig auch eine Absage an all die Individualisierungs- und Kollektivierungs-Ideologien: denn das Individuum besteht nicht ohne das Kollektiv und das Kollektiv besteht nicht ohne das Individuum. Aber es geht um ein solches Individuum, das sich seiner kollektiven Bindungen bewusst wird, seiner Verantwortung für den Nächsten, für Familie, Gemeinschaft und Volk. Freiheit ist nicht unbegrenzt und auch nicht willkürlich. Sie dient der Gesellschaft und räumt dem Einzelnen so viel Freiraum ein, wie er benötigt, ohne dass er damit den Freiraum des Nächsten berührt.

Ich erwarte mir von einem Rückzug der Politik auch eine Rückbesinnung auf das Wesentliche: worauf es tatsächlich mehr denn je ankommt, nämlich auf ein neues Bewusstsein für unsere kollektive, kulturelle Identität, also unsere Existenz. Damit die Zeiten vorbei sind, wo die da oben bestimmen, ob wir für mehr Freiheit bereit sind oder nicht. Oder ob es für die da oben günstig ist oder nicht. Erst wenn Schluss ist mit den falschen Versprechungen, beginnt der Bürger wirklich zu realisieren, dass Identität Existenz bedeutet und es folglich keine Existenz gibt ohne Identität.

Identität in einem fremden Staatsgebiet zu bewahren ist ein schwieriges Unterfangen, das früher oder später scheitern wird. Zu groß ist die Anziehungskraft des Staates, der überall in seine Abhängigkeiten drängt und somit auch eine Identifikation mit dem Staat antreibt – insgeheim ist das auch sein Ziel und Zweck.
Ich erwarte mir also durch den Rückzug der Politik eine Selbstbesinnung, der eine Selbstbestimmung folgt und ohne die keine Selbstbehauptung zu denken ist. Die Geschichte belegt, dass die Menschen sich immer dann ihrer selbst bewusst wurden, als sie nicht den falschen Hoffnungen der Politik Glauben schenkten, sondern selbst Hand an legten. Das erhoffe ich mir auch für Südtirol: dass man ein Bewusstsein seiner selbst gewinnt und die Überzeugung, dass die freiwillige Sezession immer besser ist, als die erzwungene Integration in den Staat!

Die Bürgerinnen und Bürger wissen schon selbst, was gut für sie ist. Dass die zügellose und unkontrollierte Zuwanderung nicht dazu gehört, ist auch den meisten klar. Die Bevölkerung ist schlau genug, Zuwanderung nur in dem Ausmaße zuzulassen, in welchem sie Sinn macht. Sie ist schlau genug, nicht den Floskeln der politisch korrekten Ideologen zu erliegen, sondern Vernunft geltend zu machen: dazu gehört, dass die aufnehmende Mehrheitsbevölkerung die Spielregeln definiert wonach Zuwanderung zugelassen wird, dass sie das Eigene und Bestehende bevorzugt. Willkommen ist, wer sich diesen Spielregeln anpasst. Nur über politische Steuerung der Zuwanderung, Druck zur Anpassung und Sanktionen bis hin zur Ausweisung sind unsere Interessen zu wahren. Zuwanderung muss sich immer an die Interessen der Bevölkerung richten. Das weiß die Bevölkerung, doch verschleiert die hohe Politik in dem Geflecht von Abhängigkeiten, in das sie sich immer wieder verstrickt.

Ich habe also eine Vision von Zukunft, die auf veränderte politische Verhältnisse baut. Wo Südtirol und seine Bevölkerung an erster Stelle stehen und nicht eine gewisse Partei oder die hohe Politik.
In der man auf die Selbstverantwortung der Bürger baut und die Macht der Politik wesentlich zurückschraubt. Wo die Bürger der Politik die Richtung weisen und nicht umgekehrt, wie in unseren so genannten „modernen Demokratien“ üblich. Durch mehr Freiheit erwarte ich mir mehr Südtirol.
Und das ist auch die Kernidee, welcher unsere freiheitliche Bewegung zu Grunde liegt: „Freie Bürger in einem freien Land“ sollen eine Politik verwirklichen, welche unter dem Motto „Südtirol zuerst!“ steht. Also: mehr Freiheit, mehr Südtirol. Und wenn ich die politische Entwicklung der letzten Jahre betrachte bedeutet mehr Südtirol umgekehrt mehr Freiheitliche, als Träger dieser Idee.

Wir Freiheitlichen waren die letzten 15 Jahre jene Bewegung, die Freiheit und Identität auf ihre Fahnen geschrieben hat, weil das eine das andere bedingt und umgekehrt und weil uns nur dann eine sorgenfreie Zukunft bevorsteht, wenn heute jene bestimmen, die morgen mit den Entscheidungen leben müssen. Und nicht eine Politik, die dann für nichts mehr verantwortlich zu machen ist.
Ich hoffe und bin fest davon überzeugt, dass wir auch die nächsten 15 Jahre die Bewegung sein werden, die wie keine andere für Freiheit und Identität steht, die somit die Kraft erlangt, um mehr Südtirol zu verwirklichen. Wenn die Jugend als Indikator für unsere Zukunft geltend gemacht werden kann, dann schaut unsere Zukunft auf jedem Fall sehr gut aus.
Natürlich, Nonkonformität hat ihren Preis: man wird uns wieder als Ketzer brandmarken, verleumden und nach Möglichkeit diskreditieren. Aber durch Zusammenhalt und Linientreue werden wir schlussendlich der lachende Sieger sein.
In diesem Sinne: auf die nächsten 15 Jahre „Südtirol zuerst!“

Ansprache von Landesjugendsprecher Michael Demanega anlässlich des Jubiläums der Freiheitlichen am 7. Dezember 2007 im Bozner Hotel Sheraton (es gilt das gesprochene Wort).

 
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