Die Freiheitlichen

Leserbrief: Minarettverbot
Mittwoch, 09. Dezember 2009 um 12:44 Uhr

23_simon-kofler_fp_63Die Schweiz war das erste europäische Land, welches den Exil-Tibetern Asyl gewährt hat. Den tibetischen Mönchen ist es in der Schweiz erlaubt, ihren Glauben zu erhalten und ihre Traditionen zu leben. Es gibt keine Konflikte mit den Bürgern des Gastlandes, obwohl zwei völlig verschiedene Kulturen aufeinander treffen. Ganz im Gegenteil, man lebt friedlich zusammen und lernt voneinander.

Die Integration von islamischen Menschen ist schon wesentlich schwieriger und bis jetzt in ganz Europa gescheitert. Der Islam ist eine dominante und fordernde Religion und Kultur, die auf nichts verzichten will. Daraus entstehen Parallelgesellschaften, die nichts Gutes verheißen. Die islamischen Welt kann nicht immer nur Forderungen stellen. Integration ist keine Einbahnstrasse. Das Minarettverbot in der Schweiz unterstütze ich und hoffe, dass das restliche Europa diesem basisdemokratischen Beispiel folgt. Sonst wird die Europäische Union in einer Sackgasse enden.

 

Kofler Simon
Freiheitliche Jugend

Kommentare (5)Add Comment
Armin Pircher
15. Dezember 2009
islam

Sehr g. Herr Kofler,

Ein Leserbrief mag nicht besonders gut dafür geeinet sein, eine bestimmten Sachverhalt ausführlich darzulegen. Ihre Argumentation jedoch finde ich -bei möglichst objektiver Leseart- dennoch sehr befremdlich um nicht zu sagen oberflächlich.
"Den" Islam kann man nur sehr schwer mit dem tibetanischen Buddhismus vergleichen. Bitte halten Sie sich vor Augen, dass der Islam -genau so wie das Christentum und das Judentum- eine monotheistische Religion ist. Hinzukommt das Wesen einer sog. Offenbarungsreligion. Dem Buddhismus ist diese Denkart völlig fremd und somit ist es kaum verwunderlich, dass besagte Philosophie insbesondere auch von Seiten christlicher Theologien auf Ablehnung stößt.
Es ist selbstverständlich Ihr gutes Recht, "den" Islam (den es als solchen gar nicht gibt) bzw. bestimmte Ausformungen davon wegen des für monotheistische Religionen chrakteristischen Absolutheitsanspruches zu kritisieren. Bitte bedenken Sie aber, dass besagte Kritik im Wesen auch auf das Christentum zutreffen muss, wo ganz klar festgehalten wird: "Extra ecclesiam nulla salus" (wenn Sie es weniger konfessionell mögen so finden Sie besagten Absolutheitsanspruch auch in Johannes 14,6).
Es mag auch sein, dass "der" Islam besagten Absolutheitsanspruch tatsächlich strukturell weit mehr verinnerlicht hat, als dies im Christentum (mittlerweile) der Fall ist. Ein Blick in der Vergangenheit zeigt jedoch, dass "das" Christentum hier wohl erst durch die Aufklärung eine maßgebliche Läuterung erfahren hat. Allein schon vor diesem Hintergrund (und es gibt noch viele weitere) zeugt Ihre Kritik von wenig Sachkenntniss, weit mehr aber von Voreingenommenheit und dem Wunsch nach billiger Stimmungsmache. Bei genauem Hinsehen würden Sie bemerken, dass es fundamentalistische Auslegungen in jeder Offenbarungsreligion gibt, genauso wie es entsprechende historisch kritische Exegeses gibt. Wie sonst könnte es Muslime geben, die allein daran interessiert sind, Ihren persönlichen Glauben zu leben, ihn friedlich zu bekennen und anderen Religionen gegenüber entsprechend tollerant zu sein; denn schließlich heißt es im Koran: "Und wenn Gott gewollt hätte, hätte er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Aber er teilte euch in verschiedene Gemeinschaften auf und wollte euch so in dem, was er euchvon der Offenbarung gegeben hat, auf die Probe stellen, Wetteifert nun nach den guten Dingen!" (Koran 5,48)

ps: selbstredend kann meine email adresse gerne veröffentlicht werden. für anmerkungen und (sachliche) kritik stehe ich jederzeit und gerne zur verfügung

mfg, Armin P.

Michael Demanega
16. Dezember 2009
Islam & Islamismus

Sehr geehrter Herr Pircher,

Schauen Sie, in der Politik kann es nicht um religiöse Fragen gehen. Es geht stattdessen um Regeln des Zusammenlebens. Viele Europäer sehen sich heute mit einem Islam konfrontiert, der eben diese Regeln nicht akzeptiert und stattdessen unsere gesellschaftlichen Übereinkünfte zu verdrängen versucht. Viele Muslime haben Probleme mit unserem aufgeklärten Westen. Das hat nicht zuletzt der Zwischenfall mit den Mohammed-Karikaturen gezeigt. Hat denn den Muslimen niemand gesagt, dass es bei uns im Westen auch üblich ist, die Religion auf die Schippe zu nehmen? Wo hat man zuletzt so eine schäumende Masse gesehen? Wo sind die vielen interkulturellen und interreligiösen Experten, die in Bezug auf uns alles besser wissen, aber peinlichst vermeiden, den Muslimen zu sagen, was hier bei uns Sache ist?

Ich warte immer noch auf eine Politik, die sich auch des Extremismus mit Migrationshintergrund annimmt und nicht politisch korrekt wegschaut, wenn Tendenzen im Islam festzustellen sind (oder in Teilen davon - aber das macht in Zeiten des Internet Experten zufolge nicht mehr den großen Unterschied), die früher oder später mit unserer Werteordnung kollidieren oder bereits dagegen verstoßen. Und wenn Sie persönlich das Christentum mit dem Islam vergleichen: Religionswissenschaftler sagen, dass es doch eklatante Unterschiede gibt zwischen der Religion des Mohammed und jener des Jesus und zwar nicht nur in der Auslegung. Aber das sind wie gesagt religiöse und nicht politische Fragen. Wir alle wissen ganz genau: Wir wollen nicht 500 Jahre warten, bis der Islam aufgeklärt ist. Deshalb kommt man nicht weiter, wenn man ständig darauf verweist, dass der Islam "eigentlich" auch viele gute Seiten hat. Das dient doch nur dazu, die offensichtlichen und von jedem gespürten Probleme zu verdrängen. Die zentrale Frage ist: Wer befasst sich mit diesen Problemen, wenn wir es nicht tun? Niemand. Weil man zu feige ist - und das ist jetzt nicht polemisch gesagt, sondern eine unumstößliche Tatsache.

Mit freiheitlichen Grüßen,
Michael Demanega

Armin Pircher
16. Dezember 2009
Replik

Sehr geehrter Herr Demanega,

wohlwissend, dass die Kommentarrubrik nicht der ideale Platz für eine Diskussion ist, erlaube ich mir eine kurze Replik (die EOD gehört selbstredend Ihnen):

Ich gebe Ihnen völlig recht, wenn Sie Politik und Religion trennen (wollen). Umgekehrt hat jedoch das aktuelle Kruzifixurteil gezeigt, dass dies nicht so einfach ist. Die Kirche (und mit Ihr gerade die Vertreter des Laizismus) haben wiederholt darauf hingewiesen, dass man es sich zu einfach macht, wenn man das Kreuz als bloßes kulturelles Symbol interpretiert. Für bekennende Christen ist das Kreuz weit mehr; es ist ein genuinreligiöses Symbol und gerade aus diesem Grund, verwehren sich laizistische Kräfte so dagegen. Wenn Sie also Staat (im Sinne einer tatsächlichen res publica) bzw. Politik und Religion tatsächlich konsequent trennen möchten, so sind einige Aussagen Ihrer freiheitlichen Kollegen zu besagtem Urteil nur sehr schwer nachvollziehbar.
Ihre Aussage zu den Regeln des Zusammenlebens teile ich hingegen und viele Reaktionen im Kontext des Karikaturenstreites waren tatsächlich absolut inakzeptabel. Hier sei allerdings auch darauf hingewiesen, dass besagte Reaktionen in ihrem ganzen Ausmaß (vor allem in islamischen Ländern) von islamistischen Kräften systematisch geschürt wurden. Umgekehrt gilt: gerade in Südtirol haben katholische Kräfte für weit mehr Unruhe gesorgt. Hat denn den Katholiken niemand gesagt, dass die Freiheit der Kunst ein –zwar verhandelbares- letztendlich aber grundlegendes Element unserer westlichen Demokratie ist? Das Froschkreuz in Bozen hat eindringlich gezeigt, wie in Südtirol über solche Dinge gedacht wird. Ist es in Südtirol tatsächlich üblich, „die Religion auf die Schippe zu nehmen“? Oder: Wussten Sie, dass von Seiten traditionalistischer Katholiken der Versuch unternommen wurde, bei der Staatsanwaltschaft in Bozen eine einstweilige Verfügung gegen die Dan Brown Verfilmung „Der da Vinci Code“ zu erwirken? Mir ist nicht bekannt, dass Muslime in Südtirol je durch solche Aktionen aufgefallen wären!
Zu Ihrem Religionsvergleich: Selbstredend gibt es „eklatante“ Unterschiede zw. den Religionen des M. und des J. (der Unterschied zum Buddhismus ist aber um ein vielfaches größer). Fakt ist aber: bei beiden handelt es sich letztlich um abrahamitische Religionen mit vielen Gemeinsamkeiten und in beiden gibt es eine historisch kritische Exegese, welche mit einem sehr gemäßigten Und genau diese Kräfte gilt es zu stärken, wenn man an einem friedlichen Zusammenleben wirklich interessiert ist. Der Fundamentalist freilich kennt per definitionem keine Toleranz und so muss man alles daran setzen, die gemäßigten Kräfte zu unterstützen.


Zu Ihrem Einwurf hinsichtlich hins. Migration und Extremismus: ich erlaube mir, eine Studie der Universität Innsbruck zu genau diesem Thema zu zitieren. Ich kenne die Studie sehr gut; allerdings bin ich selbst schon lange genug in der Wissenschaft tätig, um zu wissen, dass dies nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Die Studie selbst ist jedoch methodisch sauber gemacht und die entsprechenden Ergebnisse sind entsprechend valide.
http://www.uibk.ac.at/ipoint/news/uni_und_forschung/711914.html

Für mich bleibt allerdings immer noch die Frage, wo und in welchem Ausmaß wir in Südtirol (so ganz offensichtlich und für jeden spürbar) mit einem konkreten, systematisch auftretenden muslimischen Extremismus konfrontiert sind. Ein Blick auf die Leserbriefseite der Dolomiten zeigt, dass es eine ganze Reihe katholischer „Extremisten“ gibt (übrigens sollten sie sich einmal mit einigen Vertretern der evangelikalen Freikirchen oder der Zeugen Jehovas unterhalten: sie werden erstaunt sein). Deshalb erlaube ich mir noch, Sie zu etwas mehr Bescheidenheit zu mahnen. Gemäßigten Kräften in der Politik „Feigheit“ vorzuwerfen, um sich gleichzeitig als einzig vernünftige Alternative darzustellen hat etwas vom „hc man“ und zeugt von wenig Selbstreflexion. Sie sind nicht DIE „Volksversteher“ (dasselbe trifft im Übrigen für die anderen Parteien auch zu); sie vertreten zwar einen beachtlichen Prozentsatz der SüdtirolerInnen, können aber dennoch nicht den Anspruch erheben, „unumstößlich“ zu wissen, was „das“ Volk denkt.

mfg

Armin P.

Michael Demanega
16. Dezember 2009
Islam & Islamismus

Sehr geehrter Herr Pircher,

Das Problem beim Werk von Martin Kippenberger war doch vor allem die Tatsache, dass es sich dabei um öffentlich finanzierte Kunst handelte. Wenn man dann noch von "Freiheit der Kunst" spricht, dann muss ich mich fragen, was das denn für eine "Freiheit" sein soll: Die Freiheit des Steuerzahlers, ohne seine Einwilligung für Kunst zu bezahlen, für die er niemals freiwillig bezahlen würde? Mit eigentümlicher Freiheit hat das nur im Entferntesten zu tun. Aber Sie sehen schon: Die Diskussion um das Kunstobjekt Kippenbergers ist sehr viel komplexer, als Sie annehmen und darzustellen versuchen.

Jeder von uns fragt sich aber in diesem Zusammenhang: Was wäre denn passiert, wenn der Herr Kippenberger den Mohammed als Schwein dargestellt hätte? Dann hätte man von eben jener "Freiheit der Kunst" wohl nichts mehr wissen wollen. Man hätte zensuriert. Und man hätte vielleicht auch als Museumsleitung um das eigene Leben gebangt. Ich gebe schon zu: Das sind nur voreilige Vermutungen meinerseits. Und ich bin ja auch noch jung und darf mich irren. Ich warte dann aber noch, bis man mich vom Gegenteil überzeugt. Vielleicht wagt es ja noch jemand, das alles in der Realität zu überprüfen? Mal schauen, wie "mutig" die "gemäßigten" Kräfte effektiv sind. Den Vergleich mit "HC" nehme ich gelassen. Es gibt in der Welt der Politik Schlimmeres. Auf grüner Seite zum Beispiel mit Daniel Cohn-Bendit.

Zum Extremismus im Islam: Es ist sehr beruhigend zu wissen, dass erst im letzten Jahr in meiner Heimatgemeinde Salurn eine islamistische Terrorzelle ausgehoben wurde mit Hausdurchsuchungen und dem vollen Programm. Die italienischen Medien haben ein wenig darüber berichtet. Aber im Großen und Ganzen: Kaum Information, keine große Beachtung, keine Namen. Vor allem keine Aufarbeitung der Ereignisse. Wundert man sich dann, dass man in der einheimischen Bevölkerung misstrauisch wird? Dass das Unbehagen gegenüber dem Islam wächst? In Südtirol versteift man sich so sehr darauf, das oft unbegründete "Unbehagen" der Italiener zu verstehen und ignoriert das Unbehagen "vieler" (ich habe nie gesagt "aller") Südtiroler gegenüber dem Islam. Zentral ist für mich: In Europa ist kein offener Umgang mit dem Islam möglich, ohne dass es zu schlimmsten und frei erfundenen Diffamierungen kommt. Und das verschlimmert die Situation auf beiden Seiten erheblich.

Mit freiheitlichen Grüßen,
Michael Demanega

Gerhard Baum
17. Dezember 2009
Islamistischer Terror allüberall?

"In Europa ist kein offener Umgang mit dem Islam möglich, ohne dass es zu schlimmsten und frei erfundenen Diffamierungen kommt. Und das verschlimmert die Situation auf beiden Seiten erheblich."

Das gilt wohl sicher für beide Seiten.

Was siehst du aber den Splitter
in deines Bruders Auge, und
den Balken in deinem Auge
nimmst du nicht wahr?
Lukas 6,41

Ich empfehle - gerade den Freiheitlichen... - das Buch "Angriff auf die Freiheit" von Juli Zeh & Ilija Trojanow.

Mit liberalen Grüßen
G. Baum

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