Die Freiheitliche Jugend

Zum 1. Todestag: Das Jörg-Haider-Vermächtnis
Dienstag, 13. Oktober 2009 um 12:53 Uhr

logo_fj_180x180Zum 1. Todestag des Gründungspaten der Südtiroler Freiheitlichen. Jörg Haider, der vor knapp einem Jahr am 11. Oktober 2008 verstarb, gehört auch über seinen Tod hinaus zu den wirklich wichtigen Politikern Österreichs, der immer noch wie kaum ein anderer polarisiert und aneckt: Entweder man liebte ihn oder man hasste ihn, entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Dazwischen gab und gibt es nicht viel. Kurios ist aber, dass im Laufe der Zeit (auch in Südtirol) viele einstige Verehrer auf die Seite der Verächter wechselten und umgekehrt: Da gibt es die, die als glühende Anhänger der Freiheitlichen unter Jörg Haider begannen und als Karrieristen im System Südtirol endeten, weil sie sich kein Bekenntnis zu Haider mehr „leisten“ konnten. Und da gibt es jene, die nie viel von Jörg Haider wissen wollten und erst nach seinem Tod begannen, den Kärntner Landeshauptmann und Gründungspaten der Südtiroler Freiheitlichen zu bewundern.

Mich hat Haider in jungen Jahren sehr fasziniert. Als Junger orientiert man sich noch eher an Personen. Später spielen dann meistens Inhalte eine weit wichtigere Rolle, weil Personen enttäuschen können, Inhalte aber nicht. Nichtsdestotrotz erinnere ich mich noch allzu gut, wie ich als Oberschüler mit dem Haider-Buch „Die Freiheit, die ich meine“ (bei dem unter anderem auch ein Andreas Mölzer federführend mitgewirkt hat) unterm Arm durch die Schule rannte, bis ich von einer Lehrperson aufgehalten wurde, die wissen wollte, was ich mit so einem „Nazi-Buch“ wolle. Haider hat eben Dinge angesprochen, die andere nicht ansprechen wollten. Er nahm sich kein Blatt vor den Mund, sprach Klartext und zwar immer und überall. Meinungsfreiheit bekam durch ihn einen ganz neuen Stellenwert in Österreich.

Das sind aber nicht die großen Leistungen von Jörg Haider: Zu seinen großen Leistungen gehört zweifelsohne die Entschlossenheit, jenem politischen System den Kampf anzusagen, in dem sich Sozialisten (SPÖ) und Christdemokraten (ÖVP) alle wichtigen Staatsämter aufteilten und wo schwarze und rote Seilschaften statt der demokratisch gewählten Abgeordneten die Politik bestimmten. Haider gelang es, dieses System aufzubrechen und die „politische Normalität“ in Österreich voranzutreiben. Schlussendlich scheiterte er aber: Fehlbesetzungen, politische Widersprüchlichkeiten und magelnde Erfahrung trieben die FPÖ nach unten. Das freiheitliche Lager wurde gespalten und es besteht heute aus einem BZÖ, das über die Grenzen Kärntens hinaus kaum eine Rolle spielt und aus der Strache-FPÖ, die mit der SPÖ um sozialdemokratische Stimmen feilscht, während ÖVP-Stimmen eher an das BZÖ gehen.

Worin liegt das Vermächtnis Jörg Haiders in Südtirol? Dazu sind erstmal die Parallelen aufzuzeigen: Das schwarz-rote System in Österreich entspricht dem SVP-System in Südtirol mit dem folgenschweren Unterschied, dass sich in Österreich zwei große Parteien gegenseitig kontrollieren, während in Südtirol alle politischen Gremien und Verbände in einer einzigen Partei zusammenlaufen. Die Südtiroler Freiheitlichen sind in diesem System die einzige Partei, die diesem Einparteiensystem ernsthaft den Kampf ansagt und sich als politische Alternative zur SVP zu positionieren versucht. Man scheut in Südtirol allzu oft den Vergleich zu den anderen Oppositionsparteien, weil es sich nicht wirklich gehört, ihre Arbeit zu kommentieren. Mir ist es aber eigentlich egal, was sich gehört und was nicht und deshalb stelle ich den Vergleich hier an: 1.) Die Pöder-Union sucht immer noch nach einer Existenzgrundlage und biedert sich deshalb gleichermaßen an BZÖ, FPÖ und Lega Nord an. 2.) Die Süd-Tiroler Freiheit versteht sich nicht als Partei mit Struktur und Programm, sondern als „Bewegung“ für ein vereintes Tirol. Beide unterscheiden sich damit gründlich von der Haider-FPÖ (von 1986 bis 1999) und den Südtiroler Freiheitlichen, die durch Unterstützung von Jörg Haider gegründet wurden. Auch das muss bei allem Respekt festgestellt werden.

Wer Haider gut findet, muss das wissen. Aber wie gesagt: Es kommt nie auf Personen an, sondern auf Inhalte und Ziele, sowie auf die Vision für das eigene Land. Die Haider-FPÖ hatte diese Vision. Wir Südtiroler Freiheitlichen haben sie auch. Und mithilfe vieler Mithelfer, Unterstützer und Mitdenker können wir in diesem Land Südtirol auch etwas zum Besseren wenden im Sinne von mehr Freiheit und Demokratie.

Michael Demanega

Landessprecher

Kommentare (4)Add Comment
Michi F.
15. Oktober 2009
...

Die FPÖ bekommt sozialdemokratische Stimmen aus einem ganz einfachen Grund, historisch gesehen gibt es viele liberale Sozialdemokraten, die nicht viel vom Sozialismus und von Zwangsgesellschaft halten (z.B. Helmuth Schmidt, Viktor Adler u.v.a.). Mittlerweile merken aber immer mehr SPÖ-Wähler, dass die heutige SPÖ keine liberalen Züge mehr hat sondern eine sehr weit linksstehende Partei ist, der die individuelle Freiheit sprichwörtlichm am Orsch vorbeigeat.

Das BZÖ wird auf kurz oder lang zu einer kleinen CSU werden und entweder mit der FPÖ oder der ÖVP zusammenarbeiten, es ist auch eine Spaltung des BZÖ denkbar. Meiner Meinung nach war es der einzige große Fehler von Haider (abgesehen von seiner Türkeipolitik) die FPÖ zu spalten, er hätte im Vorstand um seine Ziele kämpfen müssen und sich mit Strache zusammenraufen. Natürlich ist das schwierig, aber es geht hier nicht um persönliche Streitigkeiten sondern um die Zukunft unserer Heimat.

Meiner Ansicht nach braucht es eine Wiederannährung der Freiheitlichen in Südtirol an die FPÖ, gemeinsam ist man nämlich stark. Für die Oppositionsparteien in Südtirol sollte gelten: Getrennt marschieren, gemeinsam schlagen. Wobei ich auch eine große national-liberale Oppositionspartei gut finden würde, leider geht aber das nationale bei den Freiheitlichen immer mehr verloren.

Michael Demanega
15. Oktober 2009
Haider, Strache, Stadler...

Im Gegensatz zu Haider ist Strache bisher nur in die sozialdemokratischen Wählerschichten vorgedrungen und das liegt eindeutig an der thematischen Ausrichtung dieser FPÖ unter Strache.

Spaltungen und "persönliche Streitigkeiten" gibt es nicht nur in Österreich, sondern manchmal auch bei uns in Südtirol. Das "Zusammenraufen" klingt zwar gut, ist dann in der Praxis aber etwas schwieriger.

Grundsätzlich ist es bei politischen Parteien genau andersrum: Stark ist der, der unabhängig und frei ist und nicht, wer an anderen hängt.

Stichwort "National-liberale Oppositionspartei": Wo genau sollen denn die Leute für diese Partei herkommen? Und: Welche Partei ist in Südtirol und Österreich schon wirklich "national"? Soll Straches Österreich-Patriotismus etwa "national" sein? Da gibt sich ein Herr Stadler allemal "nationaler".

Ich finde es zwar interessant, was draußen in Österreich läuft, aber besser ist es, wenn wir uns auf uns konzentrieren und das Beste daraus machen. Oder wenn wir es zumindest in Ansätzen versuchen. Ich warte immer noch auf eine Partei, die national-liberaler, nationaler und klarer ist, als wir Freiheitlichen - und damit auch Erfolg hat.

Mit freiheitlichen Grüßen,
Michael Demanega

Michi
15. Oktober 2009
...

Die FPÖ unter Strache ist nicht österreichpatriotisch, Strache bekennt sich zwar zum Staat Österreich (was auch völlig in Ordnung ist) aber auch zur deutschen Nation. Natürlich ist Strache populistischer als Haider, aber er hat damit Erfolg und sein Programm finde ich sehr gut. Populismus an sich ist auch nichts schlechtes, denn was heißt Populismus? Das zu sagen, wonach sich das Volk sehnt.

Die Südtiroler Freiheitlichen haben ein Problem mit Strache, das ist mir klar - aber genau solche Dinge finde ich falsch, nach außen hin muss man stark auftreten und sich nicht gegenseitig runtermachen.

Natürlich ist es schwierig sich zusammenzuraufen, aber man ist gemeinsam stärker als mehrere kleine unabhängige Parteien. In Südtirol wäre es sehr wünschenswert eine gemeinsame patriotische Kraft zu sehen und keinen Zickenkrieg untereinander. Am Ende geht es um Ziele, egal ob sich jemand jetzt liberalpatriotisch, nationalliberal, christlich-konservativ etc. sieht, viele gemeinsame Ziele können NUR dann erreicht werden, wenn man gemeinsam auch Mehrheiten stellt. Die SVP wirkt hier als "der sichere Hafen", denn die anderen "streiten doch eh nur untereinander".

Ich finde es wichtig was in Österreich läuft, denn Österreich wird immer der Staat bleiben, der international für Südtirol geradesteht und der uns auch beim Weg zum Freistaat, vereintem Tirol oder auch zu einem Beitrit zu Österreich verhelfen kann. Natürlich erst dann, wenn es eine

In Südtirol wird es nie eine Partei rechts der Freiheitlichen geben (hoffentlich), aber mir kommt es so vor, als versuchen die F's sich immer mehr "gemäßigt" und "vernünftig" zu geben und schweifen dabei in die politische Korrektheit ab. Wenn z.B. eine Concetta Failla auf ihrem Blog den Pius Leitner lobt, dann ist das sicher kein gutes Zeichen...

Michael Demanega
16. Oktober 2009
Die Freiheitlichen

Wenn man die Arbeit der Freiheitlichen in den letzten Jahren verfolgt, dann wird man feststellen, dass sich inhaltlich (bis auf den Schwenk von der Europaregion zum Freistaat) nichts geändert hat. Objektiv gesehen haben sich zwar die Themenfelder erweitert. Subjektiv kann das als "Mäßigung" empfunden werden, weil Themen wie Bausparen oder Steuersenkungen nun einmal nicht so polarisieren wie die Zuwanderung - deshalb sind diese Themen aber doch wichtig. Wenn wir sie nicht aufgreifen, wer dann?

Wir Freiheitlichen wollen einfach zeigen, dass wir die große und einzige Alternative zur Volkspartei sind! Das sind wir unseren Wählerinnen und Wählern und Südtirol schuldig. Denn es ist zu wenig, sich wie ein Herr Strache auf zwei Themen zu konzentrieren. Die Freiheitlichen müssen zeigen, dass hinter ein paar guten Sprüchen auch ein gutes Programm steckt. Wobei ich zugeben muss, dass sich das FPÖ-Programm sehr gut liest (wurde maßgeblich von Ewald Stadler u.a. geprägt). Aber was dann tagespolitisch gemacht wird, ist mir bei der FPÖ zu wenig und zu seicht. Wir sollten uns aber - wie gesagt - auf Südtirol konzentrieren und nicht auf Dinge, die wir eh nicht beeinflussen können.

Schlussendlich muss es um das Wesentliche gehen: Wollen wir eine starke Alternative zur SVP etablieren? Wenn ja, dann müssen sich alle an diesem Projekt beteiligen, die die "demokratische Normalität" in Südtirol herstellen wollen. Aber was erlebe ich häufig? Da gibt es Leute, die herummeckern: Wieso macht ihr nicht dies und nicht jenes? Selber rühren sie aber keinen einzigen Finger. Für mich gibt es immer nur 3 Möglichkeiten:

1.) Man beteiligt sich an einem Projekt.
2.) Man beteiligt sich an einem Alternativprojekt und zeigt, dass man es besser kann.
3.) Man lässt es ganz sein.

Nichts tun und dann an der Gasthaustheke oder beim Schützenball alles besser wissen, geht nicht, diese Möglichkeit gibt es gar nicht. Und damit meine ich jetzt nicht Dich, sondern Personen, die sich noch nie parteipolitisch engagiert haben, aber parteipolitisch alles besser wissen. Und ich bin überzeugt davon: Wenn sie sich parteipolitisch engagieren würden, würden sie auf dem Bauch landen. Ich warte auf den Gegenbeweis.

Zählen tut nur eines: Wollen wir die Alternative zur SVP oder nicht? Wenn ja: Was kann ein jeder Einzelne tun, damit diese Alternative zustande kommt? Wo müssen wir ansetzen, damit es eine "echte Alternative" wird? Das ist das Einzige, was zählt und das ich pathetisch gesagt als das "Jörg-Haider-Vrmächtnis" bezeichne. Wenn wir uns hingegen mit Details befassen, dann wird uns das nur aufhalten.

Mit freiheitlichen Grüßen,
Michael

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