Die Freiheitliche Jugend

Freistaat Südtirol
Freitag, 29. April 2011 um 19:57 Uhr

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Freistaat Südtirol als dritter Weg

Deutsche und ladinische Südtiroler können sich in Südtirol kaum mit Italien identifizieren, italienische Südtiroler nicht mit Österreich. Im Grunde ist Konflikt immer vorprogrammiert. Um uns aus dieser ewigen Frontstellung herauszulösen und endlich einen Schritt nach vorne zu setzen, bietet sich ein Freistaat Südtirol als dritter Weg an. Das Konzept Freistaat Südtirol wurde bereits vor Jahrzehnten in Südtirol öffentlich diskutiert, völkerrechtliche Studien wurden publiziert. Allmählich wurde das Konzept Freistaat Südtirol in den 1990ern allerdings durch die so genannte „Europaregion Tirol“ abgelöst. Eine solche Europaregion ist zweifelsohne wünschenswert, aber nach heutiger europäischer Entwicklung kaum realisierbar. Nationalstaaten werden auch künftig in Europa noch dominierend sein. Eine Vollautonomie würde staatliche Macht zwar auf ein Minimum reduzieren, Staatsgrenzen und nationale Identifikationssymbole aber nicht aus der Welt schaffen. Kurzum: Südtirol würde Italien bleiben und das Problem der Identifikation wäre nach wie vor existent. Nur ein Freistaat Südtirol würde uns effektiv weiter bringen.

Freistaat Südtirol durch Selbstbestimmung

Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist als solches international verankert. Das Völkerrecht sieht einseitige Selbstbestimmung allerdings nur bei Völkerrechtsverletzungen vor. Die Selbstbestimmung Südtirols müsste daher in Abstimmung und Kooperation mit Italien und Österreich erfolgen. Die Mehrheit der wahlberechtigten Südtiroler sollte daher zuallererst in einer Volksabstimmung ihren klaren Willen zur Schaffung eines Freistaates Südtirol zum Ausdruck bringen. Wichtig ist, dass sich alle drei Volksgruppen für diesen Freistaat aussprechen, um nach außen hin eine gemeinsame Absicht zu bekunden. In der Folge wären Verhandlungen mit Italien und Österreich notwendig, um die Art und Weise der Sezession zu klären. Dabei müsste bestimmt werden, welche Dienste und Kompetenzen nach wie vor bei Italien bleiben, bzw. welche Dienste und Kompetenzen an Österreich delegiert werden. Zudem muss eine Verfassung konstituiert werden, in der Übergangsbestimmungen, Aufbau, Form, Grenzen, Verhältnis zu Italien und Österreich, Vertretung innerhalb internationaler Organisationen, interne Organisation und Verwaltung des Staates Südtirol definiert werden.

Welche Form der Freistaat Südtirol konkret annehmen soll, muss die wahlberechtigte Bevölkerung Südtirols im Rahmen ihrer Möglichkeiten bestimmen. Anzumerken bleibt, dass es sich bei einer Sezession natürlich nicht um einen juristisch vorgebahnten Prozess, sondern immer um einen politischen Präzedenzfall handelt. Idealerweise stellt der Freistaat Südtirol eine demokratische Republik dar, eingebettet in die Europäische Union. Die interne Verwaltung des Freistaates Südtirol sollte sich nicht wesentlich von der heutigen Situation unterscheiden. Erstmals würde es allerdings an Südtirol liegen, wesentliche Entscheidungen selbst zu treffen, die heute immer noch Italien über unsere Köpfe hinweg trifft, z.B.: Steuerfragen, Finanzfragen, Sicherheit, Zuwanderung, Recht. Der Landeshauptmann würde im Freistaat Südtirol das Amt des Staatspräsidenten bekleiden, daneben sollte ein Regierungspräsident an der Spitze der Landesverwaltung stehen. Südtirol würde über eine eigene Staatsbürgerschaft verfügen und diese entsprechend ausstellen. Der aktuelle Minderheitenschutz (ethnischer Proporz, Zwei- bzw. Dreisprachigkeit, etc.) sollte im Wesentlichen beibehalten werden, um jeder Volksgruppe ihre Volksgruppenrechte zuzugestehen. Alle weiteren Bereiche sollten in der politischen Auseinandersetzung aller an einer Weiterentwicklung der Südtirol-Autonomie interessierten Parteien behandelt werden. Ein Freistaat soll nämlich nicht Sache einer Partei, sondern aller Parteien und aller Südtiroler sein.

Michael Demanega

Kommentare (12)Add Comment
Michele Lupoli
29. April 2011
Michele Lupoli

Dem kann ich nur beipflichten! Die Südtiroler Freiheit hat auch schon viel beigetragen, damit der Weg in die Freiheit und Unabhängigkeit leichter fällt.

Weiter so!

Michael Demanega
30. April 2011
Zitat zum Freistaat

Landeshauptmann Luis Durnwalder auf den Seiten der Landesverwaltung: "Wir haben Erhebungen gemacht, ein Freistaat Südtirol könnte sich mit den eigenen Ressourcen ohne Weiteres über Wasser halten."

ko
30. April 2011
...

Schön, aber wann werden endlich konkrete Schritte eingeleitet? Wann beginnt die Zusammenarbeit mit den anderen Befürwortern der Selbstbestimmung wie STF, Union, Teile der SVP, Teile der Grünen, die "Gruppe" BBD oder auch Vereine um endlich ein gemeinsames Konzept zu präsentieren? Wann beginnt ihr in der Bevölkerung für den gemeinsamen Staat Südtirol zu werben??? Wann gibt es endlich eine italienische Partei oder zumindest Ableger die die Selbstbestimmung unterstützt???

Nur ein paar Zeilen auf der Homepage zu veröffentlichen bringt uns nicht weiter, wir müssen endlich die breite Masse in allen Sprachen Tirols erreichen!

Michael Demanega
01. Mai 2011
...

Lieber ko, meiner Meinung ist das mal ein Anfang. Ich werfe einen Ansatz in den Raum, in der Hoffnung, dass ihn jemand aufgreift, weiter trägt und mit Leben füllt. Dieser Ansatz ist zumindest konkreter als vieles von dem, was in den vergangenen Jahren (oder sind es schon Jahrzehnte?) in Sachen Selbstbestimmung getan wurde, ohne je auch nur ein Ziel zu nennen, ohne auch nur einen einzigen Schritt nach vorne zu setzen. Und weil das ein Ansatz ist, sollte sich ein jeder Einzelne, auch Du, überlegen, was er selbst tun kann, um diese angeblich "sinnlosen paar Zeilen" mit Leben zu füllen. Damit wäre weit mehr getan. Viel mehr sogar.

Dann frage ich mich aber auch: Wo bleiben die parteiübergreifenden Initativen? Wozu brauchen wir einen "überparteilichen" Heimatbund, wenn er nicht als Koordinator der verschiedenen Ansätze agieren will? Wozu eine Arbeitsgruppe für Selbstbestimmung?

ko
01. Mai 2011
...

Dem kann ich nur teilweise zustimmen. Ich glaube wir die hier lebenden Menschen sind schon sehr viel weiter als die Politik. Ich und sehr viele Andere auch tun mit unseren bescheidenen Mitteln als Bürger schon sehr viel für die Zukunft Südtirols, allerdings liegt es an den Parteien ob endlich richtig Schwung in die Sache kommt oder ob unser Einsatz umsonst ist! Wenn kein gemeinsames Ziel von den Politikern gefunden wird, dann wird die ins Rollen gekommene Bewegung wieder abflauen weil die Hoffnung schwindet. Wir sind nicht die die Entscheidungen im Landtag treffen können, wir können nur denjenigen die Stimme geben die uns Überzeugen!
Also tretet endlich ein für den Staat Südtirol und zwar im großen Stiel!

Michael Demanega
01. Mai 2011
...

Ich bin der Meinung, dass sich neben den Freiheitlichen endlich auch einmal irgend jemand anderes für den Freistaat einsetzen sollte. Aber wie gesagt: Das ist für mich ein Anfang, der von Dir aber offensichtlich nicht als solcher anerkannt wird, was schade ist. Denn man wirft uns ja ständig vor, wir würden nur sinnlose Polemik machen und keine grundsätzlichen Überlegungen zur Sezession anstellen. Damit hat man teilweise recht. Das soll darum ein Anstoß in die andere Richtung sein. Und im Grunde bin ich genauso wie Du ein einfacher Bürger mit bescheidenen Mitteln, der schlussendlich nur eines tun kann: Druck ausüben auf die Politik.

ko
02. Mai 2011
...

Ich kann diesen Anfang leider nur teilweise anerkennen weil er eben nur auf dieser Internetseite zu finden ist. Das ist nicht abschätzig gemeint sondern hoffentlich konstruktive Kritik ;-)

Allerdings gebe ich dir vollkommen recht wenn du sagst daß andere Parteien auch dieses Ziel anpeilen sollten. Hoffentlich beginnt bald diese Zusammenarbeit. Ich bin überzeuft davon daß auch schon die kleinste Meldung von parteiübergreifender Zusammenarbeit zur Erlangung des Staats Südtirol ein starkes Aufflammen des Freiheitswillens in der Bevölkerung hervorrufen würde. Wenn dann auch noch italienischsprachige Politiker dabei sind, dann wird es auch bei vielen italienischsprachigen Südtirolern klick machen!

Guenal Isik
06. Mai 2011
freiheit für alle völker!

hallo,bin kurde und weiß wie ihr euch nun fühlt... und fordere freiheit für alle völker...für sudtirol..für katalonien,,für baskenland ..für kurdistan...für alle völker...

Gruß.

Guenal

Freiheit
09. Mai 2011
Freiheit

Ja genau alen Völkern steht das Recht auf Selbstbestimmung zu. Süd-Tirol Kurdistan, Katalonien etc. Das Selbstbestimmungsrecht ist ein Menschenrecht und unteilbar eine volksabstimmung wäre sicher ein sehr wichtiger Schritt in Richtung Freiheit für Süd-Tirol! Wobei es ja theroretisch auch die Möglichkeit einer Einseitigen Unabhängikeitserklärung des Landtages geben würde. wie das dan aber mit der Anerkennung ausehen würde ist sehr fraglich. Alledings könnte man damit agumentieren das Italien die Menschnrechte in Süd-Tirol in Vergangenheit bis in die 60er Jahre massiv misachtet hat. Das dies wieder geschehen könnte da Italien einer ungewissen Zukunft entgegen geht wo radikale Partein aus dem Extrem Rechten Spektrum in Rom durchaus Erfolg haben könnten, könnte man damit sicher agumentieren und so eine Anerkennung durch die UNO erreichen:

Freiheit für Süd-Tirol in Form eines Freistaat!

Steffl
12. Mai 2011
Andorra

Ich finde den Artikel sehr gut und vernünftig. Meiner Meinung nach wäre ein Staat nach dem Beispiel von Andorra (Frankreich-Spanien), also in unserem Falle Italien-Österreich, die beste Methode. Solche Vorschläge kamen sogar schon von prominenter ital. Seite. Sergio Romano hier in der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera vor einigen Jahren:

http://archiviostorico.corriere.it/2006/febbraio/01/
Bolzano_Italia_matrimonio_malriuscito_co_9_060201100.shtml


Michael Demanega
13. Mai 2011
...

Hallo Steffl, der Kommentar Sergio Romanos ist sehr interessant und zutreffend. Danke!

Freiheit
13. Mai 2011
Freiheit

@Steffi ja du hast recht! Wobei Südtirol viel größer ist als Andora:
so gesehen könnte dieser Staat Südtirol auch noch viel selbständiger sein als ein Andora

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