Die Freiheitliche Jugend

Zum Ableben Francesco Cossigas
Dienstag, 17. August 2010 um 17:41 Uhr

michael-demanega

In ehrender Erinnerung bleibt seine Überzeugung, Südtiroler seien Deutsche, sowie sein Entwurf zur Unabhängigkeit Südtirols

Es ist wohl nicht üblich, dass man sich von Südtiroler Seite bei einem ehemaligen italienischen Staatspräsidenten derart bedanken muss, wie das bei Francesco Cossiga der Fall ist.

In Erinnerung bleibt der Verstorbene uns jungen Südtirolern in erster Linie durch den öffentlichen Schlagabtausch, den er sich im Sommer 2005 mit Durnwalder lieferte, als Cossiga das aussprach, was über Jahrzehnte hinweg in Südtirol selbstverständlich war: Dass wir Südtiroler deutscher Muttersprache nun einmal Deutsche sind, auch wenn wir lange Zeit einem anderen Staat angehörten (und auch heute noch angehören)! Was ganzen Generationen Südtiroler Politiker immer klar war, stellte Durnwalder in Frage, der darauf bestand, die Südtiroler nicht als "Deutsche", sondern als "österreichische Minderheit in Italien" zu betrachten.

Und dann war da noch etwas: In seiner Rolle als Senator auf Lebenszeit präsentierte Cossiga mehrere Entwürfe für Verfassungsgesetze zu einer Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Südtirols in Form des Freistaates oder einer Rückgliederung an Österreich. Jene Partei, die 1945 einzig und allein zur Durchführung der Selbstbestimmung gegründet wurde, wehrte sich energisch gegen Cossigas Vorstoß, stellte seinen Entwurf ins Reich der Phantasien und erklärte ihn als eine "Falle" - nur um nicht zustimmen zu müssen oder auf der Grundlage des Cossiga-Entwurfs eine "bessere" Lösung für Südtirol zu präsentieren. Jenes Versprechen, das man 1945 und in den Folgejahren (bis allerspätestens 1992) als "Sammelpartei" Südtirol und den Südtirolern gab, wurde wieder einmal nicht eingelöst.

So bleibt uns Cossiga vor allem als jener Politiker in Erinnerung, der das Selbstbestimmungs-Anliegen Südtirols erstmals konkret anging und im Gegensatz zur Südtiroler Politik aus Worten auch ernst machte. Seine Konsequenz und seine Klarheit sollten uns jungen Südtirolern ein Vorbild sein!

Michael Demanega

Kommentare (2)Add Comment
Michael Demanega
17. August 2010
...

P.S.: Der Schlagabtausch Cossiga-Durnwalder veranlasste mich im August 2005 zu meinem allerersten Leserbrief. Essenz des Leserbriefes: Österreich - Staat ja, Nation nein.

Freigeist
18. August 2010
Österreichische Nation?

Mit dem zweiten Weltkrieg begann sich die abenteuerliche Idee einer österreichischen Nation durchzusetzen. Aus der bitteren Erfahrung heraus von den Nationalsozialisten als "Deutsche zweiter Klasse" behandelt zu werden und wohl auch aus dem naheliegenden Grund nicht mit den Verbrechen derselben in Verbindung gebracht zu werden, entwickelte sich wohl der Gedanke einer österreichischen, von der deutschen getrennten, Nation.
Mehr traurig als abenteuerlicher ist die logische Folge aus diesem Konstrukt: der (Bundes)Deutschenhass. Gerade bei der Fußballweltmeisterschaft kam dieser wieder voll zum Tragen.
Man kann es wohl als eine absurde Form des Hasses auf die eigene Identität sehen, wenn man einem Land mit dem das eigene in jeder Hinsicht so viel gemeinsam hat, mehr als mit jedem anderen, in dieser Art und Weise begegnet.
Wie will man sich bitte als Europäer oder als Weltbürger sehen, wenn man nicht einmal im Stande ist anzuerkennen, dass man zur deutschen Nation gehört? Wie will man den wirklich "Fremden" vorurteilsfrei begegnen wenn man schon ein anderes Staatsvolk, das kollektiv gesehen nur der Pass vom eigenen unterscheidet, bestensfalls mit Misstrauen gegenübersteht.

Gezeichnet,
Ein Mensch, Europäer, Deutscher, Südtiroler

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