| Muss Studentenvertretung tendenziell links sein? |
| Donnerstag, 05. August 2010 um 14:52 Uhr |
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Die Beantwortung der Frage, ob Studentenvertretung tendenziell links sein muss, hängt ganz davon ab, was man unter dem Begriff der „Studentenvertretung“ versteht. Für mich bedeutet Studentenvertretung und -politik vor allem, die Anliegen und Interessen der Studenten auf die politische Tagesordnung zu bringen und gegenüber der Landespolitik zu wahren und zu verteidigen. Wenn Studentenpolitik hingegen einen Verteilungskampf zugunsten der Bildungseinrichtungen vorsieht; Wenn man darunter ein Vollkasko-Studium versteht, das allen Studenten auch ohne Leistungsnachweis ihren Abschluss ermöglicht; Wenn Studieren als Selbstzweck ohne Zugangskriterien und Berücksichtigung der Anforderungen des Arbeitsmarktes aufgefasst wird; Wenn man Hochschulpolitik als wichtigen Baustein zur „sozialen Revolution“ versteht; Dann muss Studentenvertretung links gedacht werden, weil ich als ein so genannter „Rechter“ damit nicht leben kann. Abgesehen davon ist zu vermerken, dass die für überwunden geglaubten politischen Metaphern „links“ und „rechts“ in der Politik von heute noch immer eine wichtige Rolle spielen. Dabei verstehe ich unter „links“ eher eine Politik, die die Gleichheit betont, während „rechts“ eher die individuellen Leistungen hervorhebt. Zu vermerken ist auch, dass eine „wertfreie“ Politik niemals möglich ist, weil Entscheidungen niemals rein rational und wertfrei fallen. Man kann politische Fragen nicht einfach nur in „richtig“ und „falsch“ unterteilen, wie es uns eine angebliche „Realpolitik“ zu vermitteln versucht. Werte spielen ihre Rolle, auch in der Hochschulpolitik. Folglich werden auch Akzente in der Hochschulpolitik nie völlig frei von ideologischen Hintergedanken sein. Es muss bei einer studentischen Vertretung, die zu diesem Zweck öffentlich gefördert wird, aber „ideologische Ungebundenheit“ gewahrt sein. Für mich steht die Südtiroler Studentenpolitik allerdings eindeutig im linken Licht und ich habe das auch öfters öffentlich anzuprangern versucht. Ich prangere bestimmt nicht die Studenten an, die für diese linke Studentenpolitik stehen, sondern die Südtiroler Politik, die Studentenvertretung und -beratung einem Verein mit weltanschaulich linkem Hintergrund überlässt, sprich der Südtiroler Hochschülerschaft. Es ist dabei durchaus klar, dass die Hochschülerschaft mittlerweile verstärkt versucht, ihre politische Neutralität und „weltanschauliche Ungebundenheit“ zu betonen. Aber: die Hochschülerschaft hat eine eindeutig linke Schlagseite und eine eindeutig linke Vergangenheit. Apropos „Vergangenheitsbewältigung“: die spielte doch in den stürmischen 60er-Jahren eine ganz wichtige Rolle, als Studenten weltweit ihre linke Weltverbesserung träumten. In Bezug auf die Südtiroler Hochschülerschaft muss man vielleicht eher von stürmischen 70er-Jahren sprechen, obwohl erste ideologische Meinungsverschiedenheiten in Sachen Hochschulpolitik bereits in den 60er-Jahren auftauchten. Wenn man heute an die Südtiroler Hochschülerschaft denkt, dann denkt man nicht so sehr an die Exponenten Luis Durnwalder und Otto Saurer, sondern viel mehr an Norbert C. Kaser, an Alexander Langer und an Günther Pallaver, unter dessen Führung die Hochschülerschaft für eine „Außerparlamentarische Opposition“ stand. Diese Vergangenheit ist nicht ein unwesentliches Detail, sondern die Grundlage, auf der sich auch die heutige Südtiroler Hochschülerschaft stellt, in der sie wurzelt und die ihr noch immer ihre äußeren Konturen gibt. Ich glaube, dass diese Vergangenheit bei der Südtiroler Hochschülerschaft allerdings nicht „bewältigt“ ist, weil man es einfach nicht für nötig hält und der Trend noch immer nach „links“ zeigt. Nicht unwesentlich ist dabei auch, dass die Südtiroler Hochschülerschaft eine der Grundlagen für die Entstehung der Südtiroler Grünen darstellte. Wenn der grüne Landtagsabgeordnete Hans Heiss beispielsweise auf einer Veranstaltung in Bezug auf die Freie Universität Bozen sagt, dass er sich durch sie eine soziale Umkrempelung in Südtirol verspricht, dann ist das genau die linke Studentenpolitik, die ich meine, die bei Grünen und Teilen der Hochschülerschaft gleichermaßen vorhanden ist und die mir – ehrlich gesagt – den Magen umdreht. Aber zurück zur Anfangsfrage: „Muss Studentenvertretung tendenziell links sein?“ Ich glaube, man kann die Anerkennung der Studientitel für Südtiroler Studenten verlangen, genauso eine verstärkte soziale Unterstützung und auch ein Leistungsstipendium, ohne dabei mit ideologisch linken Positionen in Kontakt zu kommen. Klar bedingt das, dass die Studentenvertretung nicht von einem einzigen Verein übernommen wird, sondern von demokratisch gewählten Studentenvertretern. Die Südtiroler Hochschülerschaft ist ganz bestimmt nicht verantwortlich, wenn die konservativen oder „rechten“ Studenten kaum studentisches Engagement in der Studentenvertretung zeigen. Das hängt zwar auch damit zusammen, dass die „Rechten“ eher „reaktionär“ sind und immer erst auf linke Revolutions-Gedanken reagieren – Entschuldigung ist es aber keine. Zu sagen bleibt abschließend: Wenn sich die „Rechten“ nicht engagieren, dann sind sie selber schuld, dass die Studentenvertretung tendenziell „links“ ist. Michael Demanega, Jahrgang 1986, wohnhaft in Salurn. Studiert seit Kommentare (2)
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Lieber M. |



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