Die Freiheitliche Jugend

Die Autonomie hält nicht das, was die SVP verspricht
Samstag, 24. Juli 2010 um 07:41 Uhr

michael-demanegaKaum zu glauben, mit welcher Präpotenz Rom im Schilderstreit auf Südtirol einwirkt. Plötzlich ist die Zweisprachigkeit für die Regierung das Um und Auf. Merkwürdig nur, dass man diese Zweisprachigkeit in weit wichtigeren Bereichen (Polizei, Medikamente,...) nicht durchsetzen will. Fakt ist: In diesem Konflikt geht es nicht einmal ansatzweise um die Zweisprachigkeit! Die entsprechende Argumentation ist fadenscheinig und suspekt ("Italienische Touristen könnten sich verirren"). Effektiv geht es um einen klar und deutlich ausgedrückten Machtanspruch Italiens, es geht darum, Südtirol einen gemischtsprachigen Stempel aufzudrücken und um die unmissverständliche Botschaft an alle Welt: "Dieses Land ist Italien und bleibt Italien"! Die Strategie ist alt: Die vermeintliche Gemischtsprachigkeit Südtirols war seit Tolomei italienisch-nationalistische Strategie, die dem langfristigen Ziel dient, dieses Land zu italianisieren. Darum geht es auch und vor allem den erfundenen und erlogenen Ortsnamen: Eine "Gemischtsprachigkeit" vortäuschen, wo es sie nicht gibt, somit deutschen und ladinischen Gegenden eine italienische Identität aufdrücken.

Mit Lügen gestraft wird zurzeit die Haltung der SVP, die die Autonomie maßlos überschätzt ("die weltbeste Autonomie") und immer wieder davon ausgeht, wir könnten uns jederzeit von Italien verabschieden, vor allem dann, wenn es "opportun" erscheint. Nur: Dann wird es irgendwann einmal zu spät sein! Wenn wir diesen Prozess der Sezession nicht schleunigst und in absehbarer Zeit vollziehen, wird die Mehrheit kein Verständnis mehr dafür haben, weil sie sich immer mehr mit Italien identifiziert.

Zuletzt noch ein Wort zu Reinhold Messner, der "ethnische Konflikte" erkennen will: Diese Konflikte sind absurd! Genauso absurd, wie die vor über einem Jahr durch Steger und Theiner heraufbeschworene "Zündelei". Damals wie heute ging es um einen politischen Konflikt mit Rom und nicht um einen ethnischen Konflikt. Denn Platter und Freund Franco Frattini wollten auch in Zukunft noch gemeinsam Ski fahren und die enge Freundschaft zwischen ÖVP und dem italienischen Regierungshaus aufrechterhalten. Die SVP sollte das Verhältnis zur ÖVP und die Mitgliedschaft in einer EU-Fraktion, in der sie zusammen mit dem PDL sitzt, endlich einmal überdenken. Übrigens: Was hält Herbert Dorfmann von der ganzen Sache? Darf er sich gegen seine Fraktionskollegen zu Wort melden? Erlaubt es die Fraktionsdisziplin?

Michael Demanega

Kommentare (1)Add Comment
Michael Demanega
27. Juli 2010
Ethnische Konflikte

Ich frage mich halt immer wieder: Wo sind diese ethnischen Konflikte? Als jemand, der in Salurn wohnt, also in einem Dorf, das zu zwei Dritteln italienisch ist, sind mir diese Konflikte weitgehend unbekannt. Für mich sind diese „ethnischen Konflikte“ in erster Linie politisch konstruiert: Sie sind eine praktische Androhung all jener, die keine Diskussion über Selbstbestimmung, Freistaat, Identität zulassen wollen und die unter dem viel zitierten „friedlichen Zusammenleben“ einen faulen Kompromiss meinen, der immer auf Kosten der Mehrheit der Südtiroler geht!

Dann frage ich mich auch noch: Für wie blöd verkaufen uns eigentlich Achammer, Theiner, Widmann & Co.? Ich denke dabei an das ganze Geschwätz von wegen Europa: Europa sei die Zukunft, Staatsgrenzen würden heute absolut keine Rolle mehr spielen, die Europaregion Tirol sei längst schon Realität. In diesem Geschwätz gehen Anspruch und Wirklichkeit diametral auseinander, was sich nicht zuletzt im aktuellen Schilderstreit zeigt. Da können die Strategen in der SVP und JG noch so lange das Gegenteil behaupten: Nach wie vor führt kein Weg an Grenzverschiebungen vorbei! Und das wird sich nicht so schnell ändern, denn Staaten wie Italien oder Frankreich werden niemals auf ihre Macht verzichten!

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