Die Freiheitliche Jugend

Fußball-WM in Südafrika: Es geht immer auch um Politik!
Donnerstag, 10. Juni 2010 um 14:18 Uhr

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Zur Diskussion gestellt: Fußball und Politik

Als Landessprecher der Freiheitlichen Jugend habe ich bereits im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2008 klargestellt:

„Natürlich sollten Sport und Politik nicht miteinander verwechselt und gegenseitig missbraucht werden. Bei einer Fußball-Europameisterschaft treten aber nicht irgendwelche Mannschaften, sondern Staaten gegeneinander an. Staaten verfügen über ihre Machtsymbole, ihre Hymnen, ihre Flaggen. Ob man es also will oder nicht: dabei handelt es sich um politische Symbole mit politischem Inhalt. Wenn ein Südtiroler also irgendeiner bestimmten Mannschaft seine Daumen drückt, dann ist das seine freie Wahl. Ein Spiel dauert aber bekanntlich im Normalfall 90 Minuten und wenn das Spiel vorüber ist, dann sollte sich ein jeder im Klaren sein, dass er nicht die Fahne einer Mannschaft schwenkt, sondern eine Staatsflagge mit politischem Inhalt. Wer also die grün-weiß-rote Fahne schwenkt, schwenkt die Fahne des Staates, gegen den wir Südtiroler uns seit Jahrzehnten zur Wehr setzen mussten und drückt politische und nicht sportliche Inhalte aus. Denn wenn es wirklich nur um Sport ginge, müsste im italienischen Fall eine hellblaue Fahne geschwenkt werden!“

Der Inhalt der Presseaussendung ist für mich nach wie vor aktuell. Darin geht es nicht so sehr um die italienische Volksgruppe in Südtirol, sondern um deutsche Südtiroler, die durch ein (sportliches) Bekenntnis zu Italien, direkt oder indirekt auch ein politisches und nationales Bekenntnis zu Italien abgeben. Warum ist das alles gerade für uns Südtiroler so wichtig?

Weil wir Südtiroler nur dann als Volksgruppe existieren, wenn wir uns klar genug von Italien abgrenzen. Wenn es bei Fußball-Weltmeisterschaften wirklich nur um Sport ginge, müsste auf jedwelches politische Symbol verzichtet werden. Dann würden Vereine antreten und nicht Staaten, Nationalstaaten und Nationen. All jene, die sich ständig provoziert fühlen, wenn Fußball und Politik in einem Atemzug behandelt werden, sollten folgende Frage beantworten: Was ist eine Nationalflagge, was eine Nationalhymne, in der die Italiener ihre Bereitschaft bekunden, für die italienische Nation ihr Leben lassen zu wollen? Handelt es sich dabei nicht um politische Symbole und Machtsymbole? Wer diese Hymne mitsingt, wer die italienische Nationalflagge hochhält oder auf der Brust trägt, hat die Sphären des Sports längst verlassen!

Ich stelle meine Meinung hier zur Diskussion und freue mich über kontroverse Meinungen zum Thema Fußball und Politik.

Michael Demanega

Landessprecher der Freiheitlichen Jugend & Deutschland-Fan ;-)

Kommentare (5)Add Comment
Fussball Fan
11. Juni 2010
WM

Sicherlich hast du Recht indem du sagst, die Fahne sowie die Hymne sind eindeutige politische Symbole.. aber es gibt auch Fans die einfach nur den Fussball lieben und nicht auf hymnen oder fahnen wert legen. Und wenn man schon davon spricht, dass dies eher schon "verrat" ist italien fan zu sein, dürfte man in KEINER Sportart (auch mit Südtiroler Beteiligung, wie TENNIS oder SKI oder Rodeln) "Italien" Fan sein. Auch wenn man für die Südtiroler sportler ist, vertritt man dennoch den italienischen Staat, oder etwa nicht? Da Fussball aber der beliebteste sport ist, kochen die Emotionen dort aber am höchsten. Daraus folgen natürlich Konflikte. In deiner Aussage stellst du all jene an den Pranger die Italien Fans sind. Das hat nichts mehr mit der von den Freiheitlichen vertretenen persönlichen Freiheit zu tun. Und warum bist du Deutschland Fan und nicht Österreich Fan? Man errinere sich an den Staat der Südtirol im zweiten Weltkrieg an Italien ausgeliefert hat, Thema Option.

Meines Erachtens darf Politik niemals den Sport beeinflussen, auch wenn dies leider nur ein traum ist, da es zu viele "Fanaten" gibt. Jeder dreht es sich nunmal wie er will. Aber keinem darf vorgeschrieben werden was er zu tun hat und was falsch und richtig ist. Die Südtiroler Politik hat absolut nichts mit Sport zu tun.

PS: nicht jeder fussballfan schwenkt eine Fahne oder singt die Hymne einer Mannschaft mit, es gibt auch Menschen für die nur der Sport zählt und möglicherweise Politik keine Rolle spielt.

Michael Demanega
11. Juni 2010
Fußball, Politik, Staaten, Nationen

Danke für den Kommentar! Mir geht es sicherlich nicht darum, irgend jemanden an den Pranger zu stellen, sondern jeden Einzelnen dazu aufzufordern, nachhaltig über sein eigenes Handeln nachzudenken.

Was die Freiheit der Freiheitlichen betrifft, so hat diese Freiheit nicht mit Beliebigkeit zu tun, sondern mit Verantwortung. Nichts wäre verantwortungsloser, als unser geschichtliches Erbe, das deutsch und ladinisch ist, zu verraten. Und wie gesagt: Dieses Erbe ist "deutsch" und nicht "österreichisch". Österreich ist ein Staat, aber keine kulturelle Kategorie. Ich bin darum in erster Linie Deutschland-Fan, aber dann bestimmt auch der Schweiz (und Österreich) nicht abgeneigt.

Aber zum Kern der Diskussion: Stellt sich eigentlich niemand die Frage, weshalb Staaten derartige Sportmannschaften finanzieren und im Falle eines Sieges wahnsinnige Prämien ausschütten? Die Staaten wissen natürlich ganz genau, dass es um ihr nationales Ansehen und um internationales Prestige geht. Sie wissen, dass ihre Mannschaft ein Werbezweck für Italien als Staat und Nation in der Welt ist. Dem Staat Italien geht es ganz klar un Politik! Und Italien hofft natürlich, dass viele Südtiroler darauf hereinfallen. Langfristig gesehen kommen sie damit an ihr Ziel und zwar ganz nach dem Moto: "Ihr drückt der italienischen Nation die Daumen und wollte keine Italiener sein?" Nur um Sport kann es erst dann gehen, wenn Vereine an Weltmeisterschaften teilnehmen und nicht Staaten und Nationen.

Wie gesagt: Das Einzige, was ich will, ist eine Diskussion anregen und kritisch an der Oberfläche kratzen. Und all jene sportlichen Italien-Fans fordere ich dazu auf, auf jedes politische und nationale Symbol zu verzichten und das Bewusstsein im Hinterkopf zu behalten, wie sehr wir unter diesem Staat gelitten haben und immer noch leiden bzw. was es bedeutet, wenn wir uns mit diesem Staat identifizieren - selbst wenn wir das über den Umweg Sport tun.

Freiheitliche Grüße,

Michael

Jayjayone
14. Juni 2010
brot und spiele

mues i holt a mein Senf schreibn.

Im Prinzip gib i in Michael Recht. Wenn man schon eine Itlienfahne schwenkt sollte man das nach 90 min sein lassen, genauso wie mit einer Deutschland und schweizer usw Fahne.

Ich bin nicht einer Meinung was den Grund fuer eine Finanzierung betrifft.
Die Politik weiss ganz genau was sie dem Volk geben muss um es ruhigzustellen....vor 4 Jahren bei der FussballWM wurde ein Gesetz erlassen um die Gehaelter der Politiker anzuheben.Diesmal ist es "la legge bavaglia".
Wann gehen die Menschen in der Bananenrepublik auf die Strasse um zu Protestieren?
etwa wenn Berlusc die Gesetze zu seinen Gunsten erlaest ?
etwa wenn Scajola appartements "geschenkt" kriegt
etwa wenn jeder Journalist der kritisch ist keine Platform bekommt , siehe Travaglio,Piero Ricca usw....
nein !
Die Leute gehen auf die Strasse wenn Juve absteigt und wenn Lazio Rom nicht finanziell unterstuezt wird ....
Das ist die traurige Wahrheit!!!

Schon die alten Roemer wussten wie man den Plebus zufriedenstellt : Brot und Spiele!!!

In diesem Sinne : je mehr ich die Fahne des Bananestates schwenke desto mehr unterstuetze ich das System des verarscht werdens ...

hansi
19. Juni 2010
Fußball, Politik, Staaten, Nationen

"Dieses Erbe ist "deutsch" und nicht "österreichisch". Österreich ist ein Staat, aber keine kulturelle Kategorie."

Erstmal Kompliment für die guten Artikel auf der Homepage und dem Einsatz für die Ehrlichkeit, die in unserem Land nicht selbstverständlich ist.
Ich find den Artikel wirklich gelungen, wahrheitsgetreu und kann allem zustimmen, nur nicht diesem Satz oben von einem Kommentar.
Wie Sie auch sehr gut wissen haben sich unter anderem nach dem ersten WK alle Bürgermeister Südtirols (wie der freiheitliche Perathoner in Bozen) in einer Petition formell zur neugegründeten Republik Deutsch-Österreich bekannt, nachdem man Jahrhunderte in der österreichischen Doppelmonarchie verwurzelt war.
Österreich ist Teil des deutschsprachigen Sprach-und Kulturraumes (so bezeichne ich mich als deutscher Südtiroler auch, aber vor allem auch als Alt-Österreicher), ist lange aber schon ein eigenständiges Land und eine Willensnation.
D.h. wie Australien, Amerika und UK baut auch Österreich und Deutschland auf eine gemeinsame Geschichte und Sprache auf, es sind heute aber eigenständige Nationen.
Deshalb kann man natürlich, ohne sich in Südtirol ständig rechtfertigen zu müssen (was sehr mühsam ist, ich spreche aus Eigenerfahrung), auch zu den anderen deutschsprachigen Nationen, wie eben zu Deutschland, halten. Ich drück bei der WM auch Deutschland fest die Daumen, aber diesmal auch der Schweiz (Österreich ist leider nicht dabei). Das ist jedenfalls meine Sichtweise der Dinge, ohne Anspruch im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein.

Michael Demanega
19. Juni 2010
Fußball, Politik, Staaten, Nationen

Vielen Dank für den Kommentar und das Lesen! Mir ist schon klar, wie Österreich entstanden ist und zur Staatsnation wurde. Für mich sind Staatsnationen allerdings ganz klar von Kulturnationen zu trennen. Meine Aussage bezieht sich deshalb ganz allein darauf, dass Österreich zwar Staatsnation ist, aber keine Kulturnation, weil es keine eigenständige österreichische Kultur gibt. Das war einem Julius Perathoner immer klar.

Wofür kämpfe ich heute in Salurn? Für eine österreichische Kultur oder eine deutsche Kultur? Für mich ist das Deutsche das Wesentliche und Prägende und ich bekenne mich jenseits von Staatsgebilden selbstverständlich zu meiner deutschen Identität. Ich bin kein Etatist und orientiere mich kaum nach Staaten. Für mich ist das, was ich im Herzen trage, wichtiger. Die Idee Deutschland (weniger der Staat Deutschland) drückt das, was ich im Herzen trage, ganz gut aus. So auch im Fußball, wo ich in erster Linie zu Deutschland stehe und erst in zweiter Linie zu jedem anderen deutschen Staat. Für mich steht Deutschland in der Präferenz vor Österreich und dazu trägt natürlich auch das anti-deutsche Gehabe vieler Österreicher bei (man denke gerade an den Sport).

Mit freiheitlichen Grüßen,
Michael Demanega

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