Die Freiheitliche Jugend

"Frei heraus!" - Anglizismen auf dem Vormarsch
Freitag, 21. Januar 2011 um 21:39 Uhr

anglizismen

Von E. M. Arndt

Es ist schon haarsträubend wie unsere Gesellschaft es zulässt, dass unsere deutsche Sprache tagtäglich durch scharenweise englische Fremdwörter verhunzt wird. Wenn wir online sind, emailen, chatten, bloggen wir und surfen auf Websites und Homepages. Wenn wir in öffentlichen Ämtern oder privaten Institutionen Dienstleistungen beanspruchen oder Informationen einholen möchten, wenden wir uns an die Service Points. Wir treffen uns während der Arbeit bei Meetings und lesen dabei die News des Tages. Wir essen in Fast-Food-Restaurants Burger mit knusprigem Bacon, danach gehen wir shoppen, denn es ist ja schließlich Sale angesagt. Wenn junge Südtiroler in Zukunft Medizin studieren möchten, können sie in Bozen die Medical School besuchen.

Muss denn das sein? Gibt es für all jene Sachen wirklich keine deutschen Begriffe mehr? Warum schreiben wir keine E-Briefe im Weltnetz, essen bei Schnellimbissen oder gehen ganz altmodisch einkaufen, weil Schlussverkauf ist?

Sicher wird einem zunächst ein deutsch übersetztes Wort wie E-Brief komisch erscheinen. Diese Zeit der Gewöhnung ist aber nur von kurzer Dauer, wie man am immer häufiger verwendeten deutschen Begriff Netzseite statt Website erkennen kann, der sich im Sprachgebrauch schon etabliert hat.

Linksintellektuelle Moralwächter werden dem nationalistischen Sprachpuristen Arndt jetzt vorwerfen, dass die deutsche Sprache seit Jahrhunderten Fremdwörter aufgenommen hat und dass diese (wie ja alles Fremde) nur bereichernd waren.

Eine solche Behauptung entspricht jedoch nicht der Realität. Selbstverständlich wirkten das Lateinische in der Antike, das Französische im Mittelalter und das Englische in der Neuzeit auf die germanische bzw. deutsche Sprache ein. Allerdings wurden zu dieser Zeit hauptsächlich Lehnwörter, sprich Wörter die der deutschen Lautung und Silbenstruktur angepasst wurden, übernommen, weil es für viele Gegenstände/Sachverhalte keine deutsche Bezeichnung gab. Beispiele: lat. murus, mercatus, pilum für Mauer, Markt und Pfeil, franz. tour, prix, flûte für Turm, Preis und Flöte und engl. parliament, locomotive, cake für Parlament, Lokomotive und Keks. Heutzutage hingegen werden unveränderte Fremdwörter, für die es oftmals bereits deutsche Begriffe gibt, sinnlos und in großer Menge übernommen, einfach so, weil man sich anscheinend modern ausdrücken möchte.

An dieser Stelle sei bemerkt, dass ich überhaupt keine Abneigung gegen die englische Sprache hege, die ich als eine der großen Kultursprachen der Welt ansehe. Wogegen ich mich wende ist diese naive sprachzerstörerische englische Verpanschung der deutschen Sprache. Jeder heimattreue Mensch kann gegen diese Verschandelung ankämpfen, indem er einfach in seinem täglichen Sprachgebrauch Fremdwörter vermeidet und stattdessen Begriffe unserer Muttersprache verwendet (was oft leichter ist, als man denkt).

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"Frei heraus!"

Die Kategorie "Frei heraus!" befasst sich mit Ansichten freiheitlicher Jugendlicher. Hier kommen Jugendliche zu Wort, die u.a. anonym zu politischen und kulturellen Themen Stellung nehmen wollen."Frei heraus!" bedeutet unabhängig, frei und jenseits von Denk- und Meinungsverboten eine Meinung vertreten. Gerne veröffentlichen wir auch Gastbeiträge. Interessierte können an   Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. schreiben. Natürlich werden Gastbeiträge vorher auf ihren freiheitlichen Inhalt überprüft und selbstverständlich ist uns die Identität aller unter Pseudonym schreibenden Autoren bekannt.

 

Kommentare (12)Add Comment
Michael Demanega
21. Januar 2011
Medical School, Safety Park und Nightliner

Wie wahr, wie wahr. "Medical School", "Safety Park" und "Nightliner": Unsere Südtiroler Politik wird ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht. Außer halt bei Sonntagsreden...

Kurt
22. Januar 2011
...

ja schöner, guter artikel. aber wird das auch so in eurer partei praktiziert? eher nicht...wort und tat sind eben zwei verschiedene paar schuhe..."sorry"...vor der eigenen türe kehren, bevor man sich auf andere stürzt!

Guy Fawkes
22. Januar 2011
Deutsche Sprache

Sehr schön geschrieben!
Da fällt mir auch gleich ein passendes Zitat dazu ein:

"Wer seine Sprache nicht achtet und liebt,
kann auch sein Volk nicht achten und lieben."
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)

(Was für ein Zufall;-)!)

Michael Demanega
23. Januar 2011
Inkonsequenz pur

Lieber Kurt, wird von unserer Partei natürlich praktiziert, weil unsere Partei die einzige ist, die sich klar festlegt. Inwiefern bei einer Partei Worte und Taten DIAMETRAL auseinander gehen, wissen die SVPler am besten. Beste Grüße

korsakoff
24. Januar 2011
Aha

Warum schreiben wir keine E-Briefe im Weltnetz, essen bei Schnellimbissen oder gehen ganz altmodisch einkaufen, weil Schlussverkauf ist?


Harhar. Wenn mich meine entzündeten Augen nicht gewaltig täuschen, besitzt:
1tens auch der F-Jugend Landessprecher eine E-Mail-Adresse und keine E-Brief-Adresse,
2tens auch der F-Jugend Stellv. Landesprecher #1 eine E-Mail-Adresse und keine E-Brief-Adresse, und
3tens auch der F-Jugend Stellv. Landesprecher #2 eine E-Mail-Adresse und keine E-Brief-Adresse.

Lieber Kurt, wird von unserer Partei natürlich praktiziert, weil unsere Partei die einzige ist, die sich klar festlegt. Inwiefern bei einer Partei Worte und Taten DIAMETRAL auseinander gehen, wissen die SVPler am besten. Beste Grüße
Der Argumentationssprung von "klarer Festlegung" hin zur Verwendung von Anglizismen verlangt verdammt kühne Assoziationsgabe und mir will es sich nicht erschließen, was das mit der SVP zu tun hat.

Michael Demanega
24. Januar 2011
...

Ja stimmt, auch wir verwenden die Bezeichnung "E-Mail", was man natürlich überdenken könnte. Weißt Du, es besteht dann allerdings ein gewisser Unterschied darin, ob ich nun einen solchen Begriff verwende oder ob ich in meinen politischen Kampagnen und in jenen der Landesregierung das Deutsche durch das Englische ersetze.

Das mit der "klaren Festlegung" war vielleicht effektiv weit hergeholt. Was ich damit sagen will: Unsere Partei ist die einzige, die sich ohne Umschweife zum Deutschen bekennt. Natürlich gibt es dann aber auch bei uns Schwarze Schafe.

korsakoff
24. Januar 2011
Noch ein Einwurf

Habt ihr Jungs eigentlich mal daran gedacht, dass das Englische vor allem für Südtirol auch ganz praktisch sein könnte?

Weil es neutral ist.

Weil sich beim "Service Point" nicht der Italiener benachteiligt fühlen muss, wenn der deutsche Begriff zuerst steht.

Weil sich der Deutsche nicht benachteiligt fühlen muss, wenn der italienische Begriff zuerst steht.

Weil sich der Ladiner nicht wie die ärmste Sau vorkommen muss, weil das Ladinische sowieso immer nur an dritter Stelle drankommt?

Michael Demanega
24. Januar 2011
...

Na ja. Ich mag es prinzipiell nicht, wenn alles durchneutralisiert wird. Und: "Praktisch" ist vieles. "Praktisch" sind z. B. auch die arabischen Hinweise in der SASA.

Meines Erachtens geht es hier aber nicht um "praktischere" und weniger "praktische" Lösungen, sondern um Grundsätze. Als Salurner akzeptiere ich ja auch weitgehend, dass das Italienische in Salurn überall an erster Stelle steht. Was ich hingegen nicht akzeptiere, ist, wenn deutsche Salurner auf ihre Muttersprache verzichten, weil es "praktischer" und "lässiger" ist, italienisch zu sprechen - aber das ist ein anderes Kapitel.

Max
24. Januar 2011
Ladiner...

Lieber Korsakoff, dann müssten wir Ladiner uns auch immer wieder benachteiligt fühlen, ob Englisch, Deutsch oder Italienisch... Letztendlich fühlt sich keiner wirklich benachteiligt, die "Benachteiligung" die du meinst, ist eine pure politische Manöver, die eigentlich gar Nichts zu tun hat mit dem was die meisten Menschen wirklich fühlen. Ich fühle mich sicherlich nicht benachteiligt wenn mich die Lehrer in Deutsch unterrichten oder wen ein Schild mich nach "Brixen", anstatt nach "Persenon" weist... Wenn dann fühle ich mich beleidigt wenn ich in meinem Heimattal nicht in meiner Muttersprache angesprochen werde (ob Schilder, Infos usw.), dies gilt ebenfalls für das Deutsche in Südtirol.

korsakoff
24. Januar 2011
Der Grundsatz lautet: Lerne deine Sprache g'scheid. Denn, damn, Einflüsse von außen zerstören nix, solange du dich in deiner Sprache sicherer bewegst als die Grünen auf der Suche nach sich selbst

In unserem Land ist die Reihung der Sprachen auf einem Formular, einer Tafel oder dem Pickerle auf der Toilette von Disco Club Max IMHO automatisch mit einer Wertung verbunden. Zumindest unterbewusst ertappe auch ich mich dabei. Mir persönlich ist das aber relativ wurscht. Ich verschwende im Gegensatz zu vielen anderen meine Energie lieber anderweitig, als mich drüber aufzuregen. ;-)

Ich habe auch kein Problem, wenn sich Anglizismen in unseren Alltag mischen. Gepflegte deutsche Sprache und Anglizismen sind nicht wie Teufel und Weihwasser. Die Stellschrauben müssen genau daran gedreht werden, dass wir uns in unserer Sprache einwandfrei ausdrücken können.

Dass Einflüsse aus der englischen, französischen, italienischen oder hintertimbuktanischen Sprache dieses Schrauben stören oder verhindern oder gar unsere Sprache „verhunzen“, ist ein Backpflaumenargument. Und dass mit dem Zulassen solcher Einflüsse Selbstzerstörung unserer schönen deutschen Sprache heraufbeschwört werden soll, zeugt IMHO von sehr engstirniger und wenig offener Einstellung.

Noch was zu Satz #2: Es leben hier mittlerweile viele Ausländer. Ich weiß, dass ihr das nicht gerne akzeptiert. Aber es ist nun mal so. Von daher: Kein Problem von meiner Seite, wenn die SASA die "praktischen" Hinweise reinklebt. Das nur als Zusatz, weil das in dieser Diskussion nicht der Punkt ist.

Arndt
25. Januar 2011
Das kennen wir doch von irgendwo her

Wenn wir unsere Muttersprache gut können, machen Einflüsse von außen nix.
Und wenn wir in unserem christlichen Glauben bestärkt sind, machen uns auch die vielen Moslems nichts aus.
Wie süß diese Theoriewelten doch immer sind ;-)

korsakoff
25. Januar 2011
Datt war's dann wohl

Erstens: Bezeichnend, dass an der Stelle der Diskussion-Abwürgekommentar reingepflanzt wird.

Zweitens:
Wenn wir unsere Muttersprache gut können, machen Einflüsse von außen nix.
Und wenn wir in unserem christlichen Glauben bestärkt sind, machen uns auch die vielen Moslems nichts aus.

Meine Fresse. Sollte mein Kommentar so verstanden worden sein, wird der Abwürge-Kommentar automatisch überflüssig.

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